- Es sind nicht 11 Strategien, es ist EINE Idee in 11 Varianten: Optionspraemie verkaufen statt kaufen, und die Statistik fuer sich arbeiten lassen. Man kassiert vorne Geld und wettet darauf, dass sich der Kurs NICHT extrem bewegt.
- Sosnoffs immer gleiches Grundrezept: rund 45 Tage bis zum Verfall (DTE), Strikes am Rand der erwarteten Kursspanne (16-22 Delta), nur einsteigen wenn die implizite Volatilitaet teuer ist (hoher IVR), Gewinn bei 50% der kassierten Praemie mitnehmen, hohe Trefferquote (POP ueber 80%).
- Die zwei Strategien, die bei ihm ueber 70% des Profits ausmachen, sind Nr. 10 (naked Short Strangle) und Nr. 11 (subjektiver Short-Vol) - also der einfache Verkauf von Volatilitaet, nicht die exotischen Konstrukte.
- Kernbegriff Volatilitaet: 'Wenn Volatilitaet steigt, MUSS sie wieder fallen' (anders als der Kurs). Vola faellt etwa doppelt so oft wie sie steigt - deshalb die Short-Seite. Das ist die Variance Risk Premium, die Botty separat als real und bezahlt validiert hat.
- Warnung fuer Einsteiger und fuer Botty: Sosnoffs Kernwaffe ist 'naked' (ungedeckt, unbegrenztes Risiko). Er kann das, weil er Jahrzehnte, riesiges Kapital und taegliches Nachjustieren hat. Bei kleinem Kapital ist ein einziger Gap-Tag ruinoes - Bottys Regel bleibt: NUR defined-risk (Condor/Spread), NIE naked.
- Direkt uebernehmbar fuer Botty: das IVR-Gate. Nur Praemie verkaufen, wenn die implizite Vola relativ zur eigenen Historie teuer ist. Botty hat die Bausteine (deribit.py dvol_now + Vol-Forecast IC +0.83), gated den VRP-Entry aber noch nicht explizit auf einen DVOL-Rank.
- Achtung Uebertragbarkeit: Sosnoff handelt Aktien/Index/Futures-Optionen. Sein 'Call-Skew ist teuer'-Argument gilt dort, aber Crypto-Skew ist instabil und dreht (Euphorie -> Call-Skew, Angst -> Put-Skew). In Crypto muss der Skew live gemessen werden, nicht angenommen.
Worum es geht
Tom Sosnoff hat die Handelsplattform thinkorswim gebaut, spaeter tastytrade/tastylive gegruendet, und handelt seit 44 Jahren Optionen. In diesem Video sagt er: von allen 'genialen' Strategien, die er in Jahrzehnten kommen und gehen sah, sind am Ende 11 langweilige uebrig geblieben, die wirklich funktionieren. Und fast alle sind im Kern dasselbe: er verkauft Optionen, statt sie zu kaufen.
Dieser Artikel erklaert das fuer jemanden, der bei Optionen noch ganz neu ist. Zuerst die Grundlagen, dann die Begriffe, die staendig fallen, dann die 11 Strategien einzeln - und am Schluss, was davon fuer Botty relevant ist.
Optionen in fuenf Minuten (die absoluten Grundlagen)
Eine Option ist ein Vertrag ueber eine Aktie (oder einen Index, ein Future, eine Kryptowaehrung). Es gibt zwei Sorten:
- Ein Call ist das Recht, zu einem festen Preis zu kaufen.
- Ein Put ist das Recht, zu einem festen Preis zu verkaufen.
Dieser feste Preis heisst Strike. Der Vertrag laeuft bis zu einem Verfallsdatum. Danach ist er wertlos oder wird abgerechnet.
Entscheidend ist die Seite, auf der man steht:
- Der Kaeufer einer Option zahlt Geld (die Praemie) und bekommt ein Recht. Er hofft auf eine grosse Bewegung.
- Der Verkaeufer (man sagt: er ist 'short' die Option) kassiert die Praemie und uebernimmt dafuer eine Verpflichtung. Er hofft, dass moeglichst wenig passiert.
Sosnoff ist fast immer der Verkaeufer. Warum? Weil die meisten Optionen wertlos verfallen. Wer verkauft, hat die Statistik auf seiner Seite - viele kleine Gewinne. Der Preis dafuer: gelegentlich ein grosser Verlust, wenn die Bewegung doch kommt. Genau darum dreht sich alles.
Ein Beispiel: Eine Aktie steht bei 100. Du verkaufst einen Put mit Strike 90, der in 45 Tagen verfaellt, und kassierst dafuer 1.50 Praemie. Bleibt die Aktie ueber 90, verfaellt der Put wertlos und du behaeltst die 1.50 - fertig. Faellt sie unter 90, musst du die Aktie zu 90 kaufen (das nennt man Assignment, Zuteilung), auch wenn sie inzwischen bei 80 steht. Dein Gewinn ist gedeckelt (die Praemie), dein Risiko ist gross (die Aktie kann weit fallen). Das ist ein 'naked' (ungedeckter) Short Put.
Die Begriffe, die immer wiederkommen (Glossar)
- DTE (Days to Expiration): Tage bis zum Verfall. Sosnoff nimmt fast immer ~45 DTE - genug Zeit, dass der Zeitwert-Zerfall arbeitet, nicht so lang, dass Kapital ewig gebunden ist.
- Praemie: der Preis der Option. Als Verkaeufer ist das dein maximaler Gewinn.
- OTM (out of the money): ein Strike, der noch 'aus dem Geld' ist - z.B. ein Put mit Strike 90, wenn die Aktie bei 100 steht. Weit OTM verkaufen = hohe Trefferquote, wenig Praemie.
- Delta: zwei Bedeutungen in einer Zahl. Technisch: wie stark sich der Optionspreis bewegt, wenn die Aktie sich um 1 bewegt. Praktisch fuer Einsteiger: grob die Wahrscheinlichkeit, dass die Option im Geld landet. Ein '16-Delta-Put' hat also ~16% Chance, ins Geld zu laufen - also ~84% Chance, wertlos zu verfallen. Deshalb verkauft Sosnoff bevorzugt bei 16-22 Delta.
- Implizite Volatilitaet (IV): die vom Markt erwartete kuenftige Schwankung. Hohe IV = teure Optionen = viel Praemie zu kassieren. Niedrige IV = billige Optionen = schlechte Zeit zum Verkaufen.
- IVR (IV Rank): wo die heutige IV in ihrer eigenen Bandbreite der letzten ~12 Monate steht, von 0 bis 100%. Hoher IVR = die Vola ist relativ zur eigenen Geschichte teuer = Sosnoffs Einstiegssignal. Das ist der wichtigste Filter im ganzen Video.
- POP (Probability of Profit): geschaetzte Wahrscheinlichkeit, dass der Trade im Plus schliesst. Sosnoff sucht ueber 80%.
- Expected Move (erwartete Bewegung): die Kursspanne, die der Optionsmarkt bis zum Verfall einpreist (grob eine Standardabweichung). Strikes 'am Expected Move' zu verkaufen heisst: am statistischen Rand der wahrscheinlichen Bewegung.
- Skew (Schiefe): Optionen auf verschiedene Strikes haben unterschiedliche IV. Bei Aktien/Indizes sind oft die Puts teurer (Crash-Angst) - manchmal aber die Calls (Call-Skew, wenn alle auf explosive Aufwaerts-Moves wetten). Sosnoff nutzt das: er verkauft lieber die teure Seite.
- Defined risk vs naked: Bei einem defined-risk-Trade ist der maximale Verlust von vornherein begrenzt (weil man zusaetzlich eine Option kauft, die als Versicherung wirkt - ein 'Spread'). Bei naked/undefined ist der Verlust theoretisch riesig. Merksatz fuer Einsteiger: defined risk zuerst.
- Spread: eine Kombination aus einer verkauften und einer gekauften Option. Die gekaufte kostet etwas Praemie, deckelt aber das Risiko.
- Rollen (rolling): einen Strike nach oben/unten verschieben, um einen Trade zu retten oder das Risiko (Delta) zu steuern.
- BPR (Buying Power Reduction): wie viel Kapital/Margin ein Trade blockiert. 'Kapitaleffizient' heisst: wenig BPR fuer viel Praemie.
Die eine Idee hinter allen 11
Fast alles im Video ist Praemien-Verkauf / Short-Vol nach mechanischen Regeln: ~45 DTE, Strikes bei 16-22 Delta am Expected Move, nur bei hohem IVR einsteigen, bei 50% der Praemie Gewinn mitnehmen, hohe POP. Sosnoffs eigener Satz zur Begruendung: 'Wenn die Volatilitaet steigt, MUSS sie wieder fallen' - anders als der Kurs, der steigen und oben bleiben kann. Und: Vola faellt etwa doppelt so oft, wie sie steigt. Deshalb steht er strukturell auf der Verkaeufer-Seite der Vola.
Die 11 Strategien, einzeln erklaert
Um LONG zu sein (auf steigende/seitwaerts Kurse setzen):
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Naked Short Put - der einfachste Trade: du verkaufst einen Put weit unter dem Kurs und kassierst Praemie. Gewinn, solange die Aktie nicht stark faellt. Sosnoffs Default, sein meistgenutzter Trade. Regel: 35-50 DTE, 16-22 Delta, nur bei beaten-down Aktien mit IVR ueber 30. 'Puts sind Schmaltz' (sein Lieblingsspruch: fette, leichte Praemie).
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Jade Lizard - ein Short Put PLUS ein Short Call Spread daneben. Der Trick: man kassiert insgesamt mehr Praemie, als der Call-Spread breit ist. Ergebnis: nach oben kann man gar nicht verlieren (das Upside-Risiko ist wegkonstruiert), nur nach unten. Sein Go-to-Long-Trade Nummer 2, ~40 DTE, gern bei ueberverkauften Aktien.
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Covered Call - du besitzt die Aktie und verkaufst einen Call dagegen. Das senkt deinen Einstandspreis und erhoeht die Trefferquote (von ~54% auf ~64%), begrenzt aber den Gewinn nach oben. 40-60 DTE, Call bei 25-30 Delta. Fuer billige, ueberverkaufte Aktien - bei ihm eine 'einmal die Woche'-Sache.
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Short Put Spread - wie ein naked Short Put, aber du kaufst zusaetzlich einen weiteren Put als Versicherung darunter. Dadurch defined risk: begrenzter Gewinn, begrenzter Verlust, wenig Kapitaleinsatz. Ziel: 30-35% der Spread-Breite als Credit. Gute Einsteiger-Strategie.
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Put Ratio Spread (1x2) - du kaufst einen Put naeher am Kurs und verkaufst zwei weiter entfernte Puts, unterm Strich fuer einen Netto-Credit. Sehr hohe Trefferquote, aber unbegrenztes Risiko ganz unten. Bei ueberverkauften Aktien mit hoher IV. Nutzt er 3-4x/Woche.
Um SHORT zu sein (auf fallende/seitwaerts Kurse setzen):
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Short Call Spread - du verkaufst einen Call und kaufst einen hoeheren als Versicherung. Defined risk, kapitaleffizient. Er mag das besonders, weil Call-Spreads wegen des Call-Skews teuer gehandelt werden - man kassiert mehr. 30-50 DTE, POP 60-70%. Seine zweitgroesste Portfolio-Position.
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Broken Wing Butterfly - ein Butterfly (long1-short2-long1) mit ungleichen Abstaenden, aufgebaut fuer einen Netto-Credit. Defined risk mit einseitigem Schutz. Der Clou: laeuft es gut, kann man den eingebetteten Spread billig zurueckkaufen und besitzt den Butterfly gratis. Gern zu Earnings oder bei 'davongelaufenen' Aktien.
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Unbalanced Iron Condor - ein Iron Condor (siehe Nr. 9), bei dem die Call-Seite breiter ist als die Put-Seite. Dadurch ist der Trade leicht short (bearish) - ein 'Jade Lizard mit Kicker'. Fuer 'runaway markets', wenn er directional short will, aber einen Puffer nach unten behalten moechte.
Um VOLATILITAET / PRAEMIE zu verkaufen (auf Ruhe setzen):
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Iron Condor - du verkaufst gleichzeitig einen Put-Spread unten und einen Call-Spread oben. Gewinn, solange der Kurs in der Mitte bleibt. Defined-risk-Version des Strangles. Braucht hohen IVR, um sich zu lohnen. Ziel: 30-40% der Spread-Breite kassieren. Guter Einsteiger-Trade, weil das Risiko begrenzt ist.
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Naked Short Strangle - du verkaufst gleichzeitig einen OTM-Put und einen OTM-Call, beide ungedeckt. Gewinn, solange der Kurs in der breiten Mitte bleibt. Seine beste Strategie ueber 45 Jahre. 16-20 Delta, 45 DTE, nur bei hohem IVR. Undefined risk auf beiden Seiten - er managt das durch staendiges Rollen der 'ungetesteten' Seite. Macht taeglich mehrere davon.
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Reversion to the Mean (Vola / Pairs) - hier wird er directional. Zwei Wege: (a) Volatilitaet verkaufen (weil Vola mathematisch zurueckkehren muss), (b) Pairs-Trading - den Kursabstand zwischen zwei stark korrelierten Produkten handeln (bevorzugt via Futures, kapitaleffizienter). Pairs kann das Risiko zweier korrelierter Werte um bis zu 80% senken, bleibt aber riskant. Schluessel: das volatilitaets-adjustierte Notional fuer das richtige Verhaeltnis.
Seine zwei wichtigsten (ueber 70% des Profits)
Nicht die exotischen Konstrukte, sondern die einfachsten: Nr. 10 (naked Short Strangle) und Nr. 11 (subjektiver contrarian Short-Vol - mal ein Strangle, mal nur ein Short Call, mal nur ein Short Put, je nach Gefuehl fuer die Vola). Die Botschaft an Einsteiger: die Butter kommt vom simplen, disziplinierten Verkauf von Volatilitaet, nicht von cleveren Strukturen.
Wenn du wirklich neu bist: die drei Dinge, die zaehlen
- Verstehe Verkaeufer vs Kaeufer. Sosnoff gewinnt oft, aber klein; er verliert selten, aber gross. Das ist keine Zauberei, das ist der Preis der hohen Trefferquote.
- Fang mit defined risk an (Nr. 4, 6, 9 - Spreads und Iron Condor). Da ist der maximale Verlust von Anfang an bekannt. Die naked-Varianten (1, 5, 10) sehen einfacher aus, koennen aber ein Konto sprengen.
- IVR ist das Timing. Praemie verkaufen lohnt nur, wenn die Vola teuer ist. Bei niedriger IV bekommst du zu wenig fuer dasselbe Risiko.
Bezug zu Botty
Sosnoffs gesamtes 45-Jahre-Buch ist genau die Variance Risk Premium, die Bottys VRP-Scouts und die Alpha-Decay-Recherche unabhaengig als real und bezahlt (Kompensation fuers Tail-Risiko) bestaetigt haben. Drei konkrete Anschluesse:
- Das IVR-Gate uebernehmen. Botty hat DVOL (deribit.py) und ein Vol-Forecast-Modul (IC +0.83), gated den VRP-Condor aber noch nicht explizit auf einen DVOL-Rank. Sosnoffs wichtigster Filter waere der direkteste Import.
- Zwei Strukturen jenseits des reinen Condors: Jade Lizard (Upside-Risiko wegkonstruiert) und Broken Wing Butterfly (Fly am Ende gratis besitzen).
- Aber NICHT naked. Seine Top-2 (70% Profit) sind ungedeckt. Botty bleibt bei defined-risk Condor - dieselbe Regel, die auch Greg Magadini predigt. Und: Sosnoffs Call-Skew-Argument ist Aktien/Index-spezifisch; Crypto-Skew dreht und muss live gemessen werden.